So 20.09.2009 - Sa 10.04.2010Sonnenuhr im Wiedensahler Pfarrgarten – Das dörfliche Leben im bildnerischen Werk Wilhelm Buschs
Sonnenuhr im Wiedensahler
Pfarrgarten – Dörfliches Leben im bildnerischen
Werk Wilhelm Buschs
Die Überschrift gebende Zeichnung
bildet den Mittelpunkt dieser Werkschau. Sie ist
erst kürzlich von der Wilhelm-Busch-Stiftung Wiedensahl erworben worden und
damit wohl dauerhaft an ihren Entstehungsort zurückgekehrt. Eingerahmt wird sie
von Skizzen und Ölgemälden, die - bestätigt oder zugeordnet - zwischen 1860 und
1890 im Geburtsort des Künstlers entstanden sind. Sie alle sind dem
dominierenden Genre bäuerlich-ländlicher Szenen zuzurechnen, geben einen fast
schon universellen Blick auf „das dörfliche Leben im bildnerischen Werk Wilhelm
Buschs“.
Auf seinen Spaziergängen reizte es
den Künstler, die Natur im Wandel der Jahreszeiten darzustellen und den Blick
durch die Gärten schweifen zu lassen. Ein sehr schönes Beispiel für die
virtuose Umsetzung dieser Eindrücke ist die „Sonnenuhr im Wiedensahler
Pfarrgarten“, die zarte Anmutung einer Idylle im Sonnenlicht.
Besonders die Zeichnungen
„Kücheninneres in Buschs Elternhaus“ und „Bauernhaus mit überdachtem
Ziehbrunnen“ zeigen in ihrer präzisen Detaildarstellung die gleiche
Bleistift-Akribie des jungen Busch aus den Sechziger Jahren des 19.
Jahrhunderts. In dieser Zeit entstanden ist auch ein „Nebliger Tag am Dorfrand“,
ein gehauchter grafischer Vortrag mit ganz viel atmosphärischer Stimmung.
Deutlich mehr Schraffuren eines weicheren Stiftes mit einer thematischen
Rückbesinnung auf die großen niederländisch-flämischen Vorbilder vermittelt das
Wiedensahler Spätwerk „Zwei sich unterhaltende Bauern an der Herdstelle“ (um
1890). Auf halbem Weg zu dieser Alterssicht entstanden ist das „Pferd im Stall“
(um 1875), ein Blatt aus einem posthum rekonstruierten Skizzenbuch Buschs.
Obwohl er viel gereist ist, fällt
beim Betrachten der Ausstellung auf, dass so gut wie keine Stadt-Eindrücke
einfließen. Buschs Lieblingssujet war stets die Sicht auf das dörfliche Leben,
seine Bewohner und deren (Haus-)Tiere. In nur wenigen Fällen sind die Werke vom
Künstler signiert und können auch zeitlich selten genau eingeordnet werden.
Beim „Kuhhandel“ weist die Rotjacke der Bäuerin auf ein Markenzeichen des
Malers. Ebenso typisch der tief herab reichende violettblaue Himmel über der
„Landschaft mit Reiter II“. Ältere Frauen in zeitgenössisch dunkler Alltagskleidung
ziehen den Blick des Betrachters bei der „Hühner fütternde Bäuerin“ und der auf
das Jahr 1867 datierten „Frau am Fenster“ auf sich.
Wir danken den
privaten Dauerleihgebern der Gemälde „Heuernte“ und „Bäuerliches Paar im Haus“
sowie dem Wilhelm-Busch-Museum Hannover.